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Von der Unmöglichkeit, über Architektur zu schreiben?

15. Mär 2011

Friedrich Achleitner nimmt Paul-Watzlawick-Ehrenring 2011 der Wiener Ärztekammer entgegen

 

"Ich muss vorweg gestehen, und das ist keine billige Koketterie, dass ich mich nie zu den Wissenschaftern gezählt und auch nie den Versuch unternommen habe, etwa eine Architekturtheorie zu basteln. Ich verwende hier absichtlich das Wort Handwerk, weil ich meinen Umgang mit Sprache mit der Herstellung von Texten verbinde, die sich darin abmühen, ein ganz anderes Medium, nämlich die Architektur, mithilfe der Sprache zu vermitteln", so Friedrich Achleitner, Preisträger des Paul-Watzlawick-Ehrenrings 2011 der Ärztekammer für Wien anlässlich seiner Rede bei der Wiener Vorlesung am 14. März 2011 im Kuppelsaal der Technischen Universität Wien, die gleichzeitig den Rahmen für die Ehrenring-Überreichung durch Ärztekammerpräsident Walter Dorner bildete. 

 

Mehr als 600 Architektur-, Kultur- und Wissenschaftsinteressierte sowie Freunde und Bekannte des Preisträgers konnten die Initiatoren der bedeutendsten Wissenschaftsauszeichnung im deutschen Sprachraum sowie die Organisatoren der Wiener Vorlesung begrüßen.

 

In seinen einleitenden Worten würdigte Dorner Friedrich Achleitner als Analytiker, Diagnostiker, Sprachästheten und Humanisten und zog anschauliche Vergleiche zwischen den "Handwerken und Künsten" Architektur und Medizin: "Architektur ist grundsätzlich gut, wenn sie wie eine dritte Haut atmet. Das ist ein Vergleichsparameter zum Menschen: Architektur muss für die Menschen geschaffen sein, und nicht für die Demonstration von Macht - mit allen Irritationen,
Irrwegen, mit allen herausragenden Atmosphären, die dadurch geschaffen wurden, aber auch mit allen Verengtheiten, sozialen Missständen und Wohnkäfigen, die unsere Geschichte hervorgebracht hat. Architektur lebt aus einer großen kulturellen Perspektive. Darin schließen sich unsere Kreise." Dorner betonte die Aufgabe, Sprache zu hinterfragen und die Sprache der anderen zu verstehen: die der Patienten, die der Menschen.

 

Der Organisator der Wiener Vorlesungen und Laudator des Abends, Hubert Christian Ehalt, schilderte das Schaffen Achleitners mit folgenden Worten: "Was wären Wien und Österreich ohne die intellektuelle Arbeit von Persönlichkeiten wie Fritz Achleitner. Ihm gilt der Dank, dass er mit seinen künstlerischen, wissenschaftlichen, sowie kultur- und architekturkritischen Texten ständig eine präzise, innovative, freundliche und humanistische Perspektive eröffnet."

 

Hochrangig besetzte Jury

 

"Friedrich Achleitner ist eine hochkomplexe, hochbegabte und gleichzeitig bescheidene Persönlichkeit. Mit seiner Literatur hat er wesentlich zur Sprach- und Gesellschaftskritik beigetragen. Als Architekturkritiker war er ein warmherziger Verfechter des Außergewöhnlichen und des lebensgerechten Bauens, als
Architekturhistoriker hat er nahezu Unfassbares geleistet: Sein dreibändiger Führer der österreichischen Architektur ist ein Mammutwerk. In diesem Sinne hat er Paul Watzlawicks Ansätze weiterentwickelt: neue Sichten auf die uns umgebende Realität", so auch der Vorsitzende der hochrangig und disziplinübergreifend besetzten Jury des Paul-Watzlawick-Ehrenrings, Erhard Busek.

 

Literat, Kulturphilosoph, Architekturexperte und Polyhistor

Friedrich Achleitner wurde am 23. Mai 1930 in Schalchen/Oberösterreich geboren. 1949 maturierte er an der Höheren Bundesgewerbeschule Salzburg, Abteilung Hochbau. Von 1950 bis 1953 studierte Achleitner an der Akademie der Bildenden Künste Wien, Meisterschule Clemens Holzmeister, und schloss mit Diplom ab. Von 1953 bis 1955 besuchte er die Meisterschule Emil Pirchan für Bühnenbild. Achleitner war fünf Jahre lang in Zusammenarbeit mit Johann Georg Gsteu als freischaffender Architekt tätig. Seit 1958 ist er freier Schriftsteller. Seine Werke, Montagen, Dialektgedichte, der "quadratroman" und die später erschienenen Kurzprosatexte gehören zu den bedeutendsten der österreichischen Moderne. Friedrich Achleitner schloss Ende 2010 den Österreichischen Architekturführer mit den drei Bänden zu Wien ab, ein Opus magnum, das auf ungeteilte Bewunderung
stieß.

 

Renommierteste Wissenschaftsauszeichnung im deutschen Sprachraum

Der Paul-Watzlawick-Ehrenring, eine Initiative von Ärztekammerpräsident Walter Dorner, wurde 2011 zum mittlerweile vierten Mal vergeben. Bisherige Preisträger waren der Soziologe Peter L. Berger, die Kulturphilosophin Aleida Assmann sowie der Autor und Philosoph Rüdiger Safranski.

 

Der Paul-Watzlawick-Ehrenring wird in Hinkunft zweijährlich vergeben.

 

Bild: Friedrich Achleitner nimmt von Ärztekammerpräsident Walter Dorner (re.) den Paul-Watzlawick-Ehrenring 2011 der Ärztekammer für Wien entgegen (li.: Laudator Hubert Christian Ehalt, Organisator der Wiener Vorlesungen)

Fotograf: Stefan Seelig
Fotocredit: Ärztekammer für Wien

 

Paul-Watzlawick-Ehrenring 2011 an Friedrich Achleitner

14. Feb 2011

Der Architekturexperte, Schriftsteller und Polyhistor erhält renommierte Wissenschaftsauszeichnung der Ärztekammer für Wien

Friedrich Achleitner, der erst vor wenigen Monaten sein Opus magnum „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Band 1-3“ abgeschlossen hat – eine einzigartige Dokumentation der Bauten in Österreich im 21. Jahrhundert –, ist der diesjährige Preisträger des Paul Watzlawick Ehrenrings der Ärztekammer für Wien.

Eine Fachjury unter dem Vorsitz des früheren Wissenschaftsministers und Präsidenten des Europäischen Forum Alpbach, Erhard Busek, hat Achleitner einstimmig nominiert. „Friedrich Achleitner ist eine hochkomplexe, hochbegabte und gleichzeitig bescheidene Persönlichkeit. Mit seiner Literatur hat er wesentlich zur Sprach- und Gesellschaftskritik beigetragen. Als Architekturkritiker war er ein barmherziger Verfechter des Außergewöhnlichen und des lebensgerechten Bauens, als Architekturhistoriker hat er nahezu Unfassbares geleistet: seine dreibändige Geschichte der österreichischen Architektur ist ein Mammutwerk. In diesem Sinne hat er Paul Watzlawicks Ansätze weiterentwickelt: neue Sichten auf die uns umgebende Realität.“


Der Paul Watzlawick Ehrenring ist eine Hommage an den großen österreichischen Philosophen, Psychoanalytiker und Kulturtheoretiker Paul Watzlawick, der wie kaum ein anderer die Wahrnehmungsästhetik revolutioniert und den Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaften gefordert hat. „Er war eine der großen österreichischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, und er ist auch Vorbild für uns Ärztinnen und Ärzte im Dialog mit unseren Patienten. Er lehrte uns zuhören, Empathie und die Notwendigkeit der Synchronisation von Aussagen“, so Walter Dorner, Präsident der Ärztekammer und Initiator des Ehrenrings.


Die Laudatio anlässlich der Preisverleihung am 14. März 2011 wird Hubert Christian Ehalt, Wissenschaftsreferent der Stadt Wien und Begründer der Wiener Vorlesungen, halten. „Achleitner ist origineller Autor, Architekturhistoriker, Architekturkritiker und überzeugter Teilnehmer der Zivilgesellschaft. Diese ganz unterschiedlichen Facetten fließen bei Fritz Achleitner ganz organisch zu einer Gesamtpersönlichkeit, die durch Originalität, Innovationsgeist, Authentizität, Sprachmächtigkeit, Differenzierungsvermögen und der Fähigkeit, Sachverhalte so klar und einfach wie möglich auszudrücken, geprägt ist. Ich kenne Achleitner von seiner architekturhistorischen Arbeit und von vielen gemeinsamen Diskussionen und Projekten und bin jedes Mal überrascht von seiner intellektuellen Schärfe, seiner Kreativität und Spontanität und vor allem von seiner unbedingten Fairness und der durch Einsicht und Verständnis geprägten menschlichen Ausstrahlung, die jedes Gespräch, jede Veranstaltung, jede Diskussion positiv beeinflusst, an der Achleitner teilnimmt.. Und: Achleitner kann sich zurücknehmen. Er ist alles andere als monomanisch. Die Sache, das Objekt und das Projekt waren und sind ihm stets wichtiger.“


In einer Reihe mit Rüdiger Safranski und Aleida Assmann


Vor Achleitner wurden der Kulturphilosoph Rüdiger Safranski, die Kulturanthropologin Aleida Assmann und der Soziologe Peter L. Berger mit dem Ehrenring bedacht. In einer ersten Stellungnahme zeigte sich Achleitner erfreut, „eine Auszeichnung in einer Reihe mit Safranski und Assmann zu erhalten, und es ist offensichtlich Anerkennung für meine grenzüberschreitenden Arbeiten.“ Er habe sich stets weder nur als Kritiker, Schriftsteller oder Sprachkünstler noch ausschließlich als Dokumentator gesehen, „sondern als jemand, der Mauern des Unverständnisses niederreißen möchte sowie Phantasie, Ratio und emotionale Wissenschaft in einem Diskurs bringen wollte. Dafür nehme ich diesen Ring mit Freude entgegen.“

 

Der Paul Watzlawick Ehrenring, der in Hinkunft zweijährlich vergeben wird, ist eine der renommiertesten Wissenschaftsauszeichnungen im deutschen Sprachraum und einzigartig in seiner Philosophie. Es geht um den aktiven Dialog und Diskurs zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, Human- und Gesellschaftswissenschaften und um das „ständige Bemühen um Dekonstruktion und Konstruktion“, wie es ein Juror einmal formulierte. Der „physische“ Ring – eine Anspielung und die Möbius-Schleife – wurde von der Meisterklasse Paolo Piva der Hochschule für Angewandte Kunst kreiert und wird für jeden Preisträger individuell gefertigt.


Die Übergabe des Ehrenrings, verbunden mit einer „Wiener Vorlesung“ von Friedrich Achleitner und der Laudatio durch Christian-Hubert Ehalt, findet am Montag, dem 14. März 2011, um 18.30 Uhr im Kuppelsaal der Technischen Universität Wien, 1040 Wien, Karlsplatz 13, bei freiem Eintritt statt.

 

Informationen:
Im Residenz Verlag ist Friedrich Achleitners einzigartige Bestandsaufnahme österreichischer Architektur im 20. Jahrhundert erschienen:

Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert
Band III/1: Wien, 1.-12. Bezirk
Band III/2: Wien, 13.-18. Bezirk
Band III/3: Wien, 19.-23. Bezirk

 

Diese drei Bände (einzeln und als Paket im Schuber erhältlich) erfassen die relevante Bausubstanz von Wien, die damit vollständig dokumentiert ist. Dabei behandelt Friedrich Achleitner Architektur im weitesten Sinn des Begriffs: Es geht ihm nicht ausschließlich darum, die so genannte „Moderne“ zu präsentieren, sondern darum, verschiedene baugeschichtliche Phänomene zu erfassen, soweit wir sie heute als Zeugen historischer Entwicklungen sehen.
www.residenzverlag.at

 

Download Einladung 

 

Paul Watzlawick Ehrenring wird auch 2011 verliehen

21. Okt 2010

„Die Ehrung erhält eine Persönlichkeit des öffentlichen und wissenschaftlichen Lebens, die sich im Sinne von Paul Watzlawick für den Dialog zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, für den humanistischen Diskurs und eine neue Auseinandersetzung mit der Sprache, vor allem der Sprache der Medizin einsetzt“, so der Präsident der Wiener Ärztekammer, Dr. Walter Dorner.


Dorner hat gemeinsam mit Dr. Erhard Busek, dem Präsidenten des Europäischen Forums Alpbach und ehem. Wissenschaftsminister, sowie dem Wiener Wissenschaftshistoriker, Prof. Dr. Hubert Ehalt, den Paul Watzlawick Ehrenring initiiert.


Der Ring wird jährlich verliehen, eine hochkarätige Jury wählt in mehreren Runden den Kandidaten/die Kandidatin aus. Im ersten Jahr, 2008, war es der Soziologe und Religionswissenschafter Peter L. Berger, im Jahr darauf die deutsche Kulturwissenschafterin Aleida Assmann, im Vorjahr Rüdiger Safranski, Philosoph und Autor von Bestsellern über Schopenhauer, Goethe, Schiller, Nietzsche oder die Romantik.


„Mit dem Paul Watzlawick Ehrenring will die Ärztekammer für Wien dokumentieren, wie wichtig ihr der Dialog zu den Kultur- und Sozialwissenschaften ist, und wie notwendig es ist, zu einer ‚neuen, humanen Sprache und zu einem synchronen Dialog‘ zwischen Arzt und Patient, um Watzlawick zu paraphrasieren, zu kommen“, betont Dr. Walter Dorner.

Der Autor, Psychotherapeut und Philosoph.

16. Aug 2010

Die Ö1 Hörbilder erinnern an Paul Watzlawick.

 

Aus den „Fünf Axiome der menschlichen Kommunikation" von Paul Watzlawick, einem der bedeutendsten Philosophen und Kommunikationswissenschafter des 20. Jahrhunderts haben Christina Höfferer und Andrea Köhler-Ludescher ein Ö1-Hörbild gestaltet: mit O-Tönen von Verwandten, Wissenschaftern und Bewunderer von Paul Watzlawick. Die „Anleitung zum Unglücklichsein" wurde zum Bestseller und ist Beweis, dass man komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge einfach und humorvoll erzählen kann.

 

Watzlawicks Weg führt ihn nach dem Studium der Sprachen und Philosophie in Venedig an das C. G. Jung Institut in Zürich, wo er zum Psychoanalytiker ausgebildet wird. In Indien und San Salvador analysiert, therapiert, forscht und bildet sich Paul Watzlawick in der Praxis und an der Universität, bevor er 1960 zum Team von Gregory Bateson am Mental Research Institute im kalifornischen Palo Alto stößt.

Seine Arbeit in Palo Alto legt den Grundstock für eine reiche publizistische Tätigkeit: Sein wichtigstes wissenschaftliches Werk, "Menschliche Kommunikation" (mit Janet H. Bevin und Don D. Jackson), legte Watzlawick 1969 vor. Spätestens mit dem Bestseller "Anleitung zum Unglücklichsein" (1983) wird er auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt.

Am 31. März 2007 stirbt der Pionier der Kommunikationswissenschaft in seiner Wahlheimat in den Vereinigten Staaten. Rund um Paul Watzlawicks "Fünf Axiome der menschlichen Kommunikation" entsteht ein Hörbild aus den Erzählungen naher Verwandter und den Erinnerungen seiner Fachkollegen und Nachfolger, die durch Watzlawicks Arbeit inspiriert sind.

 
Hörprobe

 

 

 

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